Der Weltraum - Im EAC in Köln fängt alles an

Einen einzigartigen Ausflug ermöglichte Frank Lautenschläger dem Hegering am Freitag, den 13. September 2019, mit einer privaten Führung durch das Europäische Astronautenzentrum (EAC) auf dem Gelände des „Deutschen Forschungszentrums für Luft- und Raumfahrt“ (DLR) in Köln-Wahnheide. Frank, der dort als promovierter Elektrotechniker die Astronauten auf ihren Einsatz auf der Internationalen Raumstation (ISS) vorbereitet, gewährte uns einen Einblick in sein Arbeitsumfeld und ließ uns am beruflichen Alltag der Astronauten teilhaben.

 

Zunächst durften wir einen Blick in das Kontrollzentrum werfen. Hier wird das Bodenkontrollteam trainiert, das für die Kommunikation und das reibungslose Zusammenspiel zwischen der Raumstation und dem Bodenpersonal der ISS-Partnerländer verantwortlich ist.

 

Eine weitere Station war das Tauchbecken, neben dem ein Modul der ISS steht. In den Trainingsphasen wird das Modell per Kran ins Wasser gelassen. Die Astronauten üben dann in einem Taucheranzug, der dem Raumanzug entspricht, in zehn Metern Tiefe die Bewegung in der Schwerelosigkeit, den Weg aus und in die Luftschleuse, Werkzeughandhabung und das Sichern an der Außenhülle, ebenfalls aber auch Notfallszenarien, wie die Unterstützung der Kollegen.

 

Danach ging es in eine große Halle, in der maßstabsgetreue Modelle des ESA-Moduls Columbus und des unbemannten Raumfrachters ATV („Automated Transfer Vehicle“), gekoppelt mit einem Modell des russischen Swesda-Moduls, aufgebaut waren. Bis vor wenigen Jahren nutzten die Astronauten das ATV, um die Be- und Entladung des ESA-Raumfahrzeugs zu trainieren. Hier wurden auch Kopplungs- und Andockmanöver geübt, das ATV transportierte Lebensmittel, Treibstoff und benötigten Nachschub, wurde aber ebenso für den Abtransport von Abfällen genutzt und verglühte beim Eintritt in die Erdatmosphäre.

 

Schwerelosigkeit hätte uns sicherlich den Durchgang vom ATV ins russische Modul erleichtert, einige Teilnehmer „krabbelten“ nicht ganz so elegant durch die Luke zwischen den Komponenten, die Fotos wirken es jedoch sehr „weltraummännisch“.

 

Das Modell einer russischen Sojus-Kapsel, die die Astronauten auf die ISS transportiert, konnte ebenfalls besichtigt werden. Zum besseren Einstieg ist das Modell geteilt und lässt sich aufziehen, Das geschlossene Modul ließ die Enge und Unbequemlichkeit während des zweitägigen Flugs zur ISS erahnen. Viel Platz ist hier nicht für die drei Astronauten, wenn man sich vorstellt, wie sie in ihren Raumanzüge mit angewinkelten Beinen in den Schalensitzen liegen. Jeder Zentimeter innerhalb der Kapsel erfüllt eine Funktion. Wir konnten die Plätze einnehmen, die sonst den Trainingscrews vorbehalten sind.

 

Letzte Station war die Besichtigung des Columbus-Labor, das europäische Mehrzwecklabor, in dem Experimente in Schwerelosigkeit durchgeführt werden. Das Modell ermöglicht die Bedienung und Überwachung sämtlicher Systeme, die Simulation von Notfallszenarien, aber auch die Gewöhnung an die beschränkten Platzverhältnisse auf der ISS. Auch hier wird jedes Eckchen, jeder freie Raum genutzt, Werkzeuge und Materialien sind beispielsweise zwischen Bedienelementen an den Wänden fixiert. Der persönliche Raum eines Astronauten hat weniger als die Grundfläche einer Telefonzelle, er sieht ein bisschen wie ein Textilschrank aus, durch einen Reißverschluss schlüpft man in sein „Zimmer“, persönliche Gegenstände hängen in Textiltaschen oder werden unter Klettbändern platziert.  Zwei Kilogramm persönliche Gegenstände darf ein Astronaut mit auf die ISS nehmen.

 

Die vielen Fragen wurden mit Fachkompetenz, Geduld und einer Menge Anekdoten beantwortet, was die komplexen Sachverhalte verständlich und anschaulich verdeutlichte. Frank ließ es sich am Ende der Führung nicht nehmen, uns zu einem Imbiss und einem Umtrunk in den Bereich einzuladen, in dem normalerweise die Crews zwischen den Trainingseinheiten ihre Pause abhalten.

 

Wir möchten uns recht herzlich für den informativen und kurzweiligen Nachmittag bedanken.

 

Verfasserin

Jacqueline Turowski-Freund