Anschussseminar

Am Samstag, dem 07.09.2019, fand bei bewölktem Himmel ein Anschussseminar auf dem Kirchscheider Hof in Lohmar statt. Elisabeth Trimborn, die Vorsitzende des Hegerings 03 begrüßte
die beiden Dozenten, Herrn Georg Schneider (Schweißhundestation Lohmar) und Herrn Holger Haas, Büchsenmacher aus Troisdorf und designierter Nachfolger von Herrn Schneider sowie die rund 40 Teilnehmer.

 

Unter der kompetenten und fachkundigen Anleitung wurden die Anwesenden über das richtige Verhalten vor und nach dem Schuss informiert. Jeder Jäger wurde zunächst in die Verantwortung genommen, dem Thema die Bedeutung zu geben, die ihm gebührt, denn „die beste Nachsuche ist die, die gar nicht erst durchgeführt werden muss“.

 

Der Kammerschuss auf breit stehendes Wild ist waidgerecht und birgt das geringste Risiko einer Nachsuche. Sollte es jedoch zu einem Fehlschuss kommen, muss der Schütze genau  wissen, wo er abgekommen ist, wie das Stück zeichnete und wohin es absprang. Aus Tierschutzgedanken sind die Nachsuche, die richtige Einordnung von Pirschzeichen und das Führen von speziell ausgebildeten Schweißhunden notwendige Bestandteile der Jagdausübung. „Jeder Schuss wird nachgesucht“ ist das Credo einer waidgerechten Jagd. Damit ist jedoch nicht die sofortige Suche ohne Zeitaufschub gemeint, sondern der Zeitpunkt mit den besten Erfolgsaussichten. Herr Schneider wies ausdrücklich darauf hin, dass die anerkannten Nachsuchegespanne jederzeit, auch bei widrigen Witterungsbedingungen und Nachts, kostenlos und verschwiegen ihre Arbeit im Dienste der Kreatur nachkommen. 

 

Nach dem Schuss ist zunächst in Ruhe abzuwarten. Das beschossene Stück soll nicht aus dem Wundbett aufgemüdet werden, da es, derart verhetzt, trotz schwerer Verletzung oft noch weite Strecken flüchtet. Laufschüsse beispielsweise sollten nicht angegangen werden. Der durch die Verletzung verursachte Adrenalinschub klingt ab, durch Muskelverspannungen, Blutergüsse etc. wird das Wild steif und ungelenk und kann vom Hund schnell gestellt werden.

 

Nach einer angemessenen Wartezeit muss der Jäger den Anschuss  markieren  (z.B.Flatterband) und nach Pirschzeichen suchen, ohne diese zu vertreten. Daraus ergeben sich für den  Schweißhundeführer notwendige Hinweise wie Schnitt- und Schlaghaare, Schweiß, Knochensplitter, Wildbret- und Äserteile sowie Beschädigungen an Bäumen. Weitere wichtige Grundlage für eine Nachsuche ist das ordnungsgemäß ausgefüllte „Anschussprotokoll“ (kostenloses Standardprotokoll „Schweißhundestation“ LJV, NRW). Hier werden Angaben wie Wildart, Stellung beim Schuss, Fluchtrichtung und Pirschzeichen verschriftlicht. Fehlerhafte Angaben, oft aus Schamgefühl, führen zu qualvollem Verenden, deshalb sind wahrheitsgemäße Angaben zwingend notwendig. Herr Schneider betonte, das kein jagdliches Handeln kritisiert wird, sondern dem Wild Leid erspart werden soll.

 

Angereichert wurde der Vortrag durch zahlreiche Anekdoten und Geschichten aus dem Alltag eines Nachsucheführers, so beispielsweise die längste Nachsuche mit mehr als 30km vom Anschussort entfernt.

 

Der Theorie folgte ein praktischer Teil. Hier wurden die Wirkungen der Geschosse im Wildkörper im Revier veranschaulicht. Fünf verschiedene Stationen waren vorbereitet, an denen kleine Grüppchen von Teilnehmern unterschiedliche Anschüsse (Vorderlauf, Keule, Äser, Krell- und Waidwundschuss) in Augenschein nehmen und Pirschzeichen sichern konnten. Zusätzlich wurde das Schussbild zweier Zerlegungsgeschosse auf einer weißen Stoffbahn dargestellt, um die Gefährdung des Umfeldes durch austretende Splitterreste zu verdeutlichen.

 

Alle Teilnehmer, auch unsere erfahrensten Jäger, waren von dem lehrreichen und anregenden Seminar begeistert, ein absolutes „Muss“ für jeden Jäger, so die einstimmige Meinung.

 

Verfasserin

Jacqueline Turowski-Freund